Mittwoch, 11. November 2009

"Pokern ist eine noch recht junge Sportart"

Der Main Event der WSOP hinterlässt Spuren in den Tageszeitungen. Hier ist die TK-Presseschau:

"Pokern ist eine noch recht junge Sportart", schreibt die SZ. Wir wissen nicht genau, wie sie zu dieser Einschätzung gekommen ist. Jung? Sportart? vielleicht haben wir was verpasst. Obwohl sich natürlich viele Argumente dafür finden ließen, warum du Poker wie eine Sport betrachten kannst und erfolgreiche Spieler eine Einstellung an den Tag legen, wie es auch viele Sportler tun. Trainiere das Spiel und den Geist(Zen) und lebe gesund - (Sind prozentual gesehen mehr Pokerspieler Vegetarier als in der Restbevölkerung?) Was gemeint ist, mit den "sicheren" Händen, die Cada gespielt haben soll, ahnen wir - ach, was soll's, warum nicht mal sichere Hände einführen in das Spiel (Pocket Deuces können nicht verlieren, aus Prinzip, und bekommen eine Freeroll. Werden sie geschlagen, ist es nur ein Split Pot; halten sie, räumen sie ab. Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt.) Gelegentlich werden ein paar Kleinigkeiten hübsch durcheinander gebracht: "In 57 Duellen konnten sich Poker-Liebhaber für das Finale vom 7. bis 10. November im Kasino des Rio All-Suite Hotel in Las Vegas qualifizieren."

AFP kennt Cadas Mutter: "Cadas Mutter arbeitet am Blackjack-Tisch eines Casinos in Detroit und hatte lange versucht, ihrem Sohn das Glücksspiel auszureden. Als er immer besser geworden sei, habe sie ihn jedoch ermutigt, seinen Traum zu verwirklichen, sagte sie. 'Er kann immer noch ans College zurückkehren, wenn er will.'"

Gefallen findet so manches Blatt an der "German Virgin": "Mit der 'German Virgin' machte Cada seinen Triumph nach einem spannenden Heads Up schliesslich perfekt. Seine Blatt 9/9 ('Ninenine' oder auch 'Neinnein' genannt) schlug Moons Dame/Junge."

Blick aus der Schweiz findet es märchenhaft: "Nur schon dass der 45-jährige Holzfäller aus Oakland (Maryland) in den Final kommt ist eine 'Aschenputtel'-Geschichte. Mit dem Preisgeld, das er in einem Lokalturnier gewonnen hat, bezahlt Moon das WM-Startgeld von 10.000 Dollar. Jetzt hat er diesen Einsatz verfünfhundertfacht. Nicht schlecht."

Und das Hamburger Abendblatt hat eine gute Nachricht für alle Schulabbrecher: "Schulabbrecher gewinnt Millionen-Jackpot im Poker"

Ja, so ist der immer zu Scherzen aufgelegte Qualitätsjournalismus, wobei du natürlich schon froh bist, wenn dich die Kulturreaktionäre nicht gleich verklagen.

Milliardenumsätze in Macau

In der SZ ist eine Reportage über Macau erschienen. Darin sind einige interessante Fakten enthalten. Etwas acht Milliarden Dollar hätten amerikanische Branchenriesen wie MGM, Sands oder Wynn seit der Liberalisierung des Glücksspielmarktes im Jahre 2002 investiert. Die Umsätze im Glücksspiel seien inzwischen doppelt so hoch wie in Las Vegas. Erzählt wird auch die eher derbe Geschichten vom Gangsterboss, der aus Frust über Verluste die Hosen herunterließ und auf den Filz pinkelte. Und dass die Chinesen ihre Leidenschaft für das Glücksspiel nicht immer unter Kontrolle haben: "Das China Business Journal fand heraus, dass Unternehmer allein aus der chinesischen Provinz Zhejiang im Jahr 2008 mindestens 191 Millionen US-Dollar in Macau verspielt haben. Ganze Unternehmen gingen zu Grunde und damit auch Arbeitsplätze verloren." In Macau selbst arbeiteten "45.000 der insgesamt rund 500.000 Einwohner" in der Glücksspielindustrie.

Lies auch:
Das Las Vegas Asiens
Poker King - China vor dem Rounders Effekt

Dienstag, 10. November 2009

Logger, Logger, Logger! - Moon unterliegt Cada

"Wie ein Boxkampf, Linke, Rechte, boom, boom!" Phil Hellmuth geriet fast in Ekstase, als er das Duell zwischen Darvin Moon und Joe Cada um den WSOP-Titel kommentierte. Es war wirklich gutes Radio mit Hellmuth, bei der Sache, beim Spiel mit ehrlicher Begeisterung. Das war vielleicht nicht so schwer, denn der Holzfäller aus Maryland Darvin Moon lieferte einen großen Kampf. Logger! Logger! Logger! Ich war gespannt, wie der Amateur Moon sich schlagen würde, und mein Herz schlug für den Außenseiter.

Moon spielte furchtlos, aggressiv und stellte Cada immer wieder vor schwierige Entscheidungen. Check-Raises, Bluffs am River, obwohl der etwas fragwürdig war, aber es erlaubte dem erfahrenen Heads-Up-Spieler Cada nicht, seiner üblichen Spielweise zu folgen. Vorsicht bei thin value bets, der Holzfäller könnte dich reraisen. Es schien zunächst so, als wollte Cada beweisen, dass er der bessere Pokerspieler sei. Cada versuchte Moon auszuspielen. Joe Sebok meinte, es sei die falsche Strategie. Gegen Moon solle Cada mit den Nuts auftauchen oder seine Hände für ihren Wert spielen und auf Spielereien verzichten. Die Chipverteilung hatte sich teilweise umgekehrt. Moon lag weit vorne mit mehr als 140 Millionen Chips, Cada war runter auf unter 60 Millionen. Da sah es schon nicht mehr so aus, als würde Cada in dieser Nacht noch das richtige Mittel finden.

Am Ende setzte sich Cada durch. Das Bild zeigt die letzte Hand. Joe Cada war am Button und erhöhte auf 3 Millionen. Moon griff zu den Chips und legte noch etwas drauf - 8 Millionen. Cada geht All-In und Moon bezahlte - vor dem Flop. Das Paar Neuner hielt. Mit 21 Jahren ist Joe Cada der jüngste Champion in der Geschichte des Main Events der World Series of Poker.

Es war wirklich gutes Radio. Und das hätte ich vorher kaum geglaubt, Poker im Radio? Funktioniert! Und jetzt dürfen wir gespannt sein, was das Fernsehen aus einem diesem Duell mit großen Swings macht, das wohl schon morgen auf youtube zu sehen sein wird.

Nur einer hat schlechte Laune. Mike "The Mouth" Matusow twitterte:

"Kids (Cada) a stone idiot that will cost me 80k jas no clue what small ball is."

"Congrat cada for saving me even though u got no clue how to play poker."

Die schlechte Laune hatte er aber auch schon vor dem HU: "My only tweet I can't go see the two worst players of the final 9 play for pokers biggest prize its too embarrassing."

Montag, 9. November 2009

Moon und Cada im Glück

Es war eine lange Samstagnacht im Rio in Las Vegas, eine Nacht, in der ein Rekord aufgestellt wurde. Noch nie dauerte ein Final Table in der Geschichte der World Series of Poker länger. Nach fast 18 Stunden und 276 Händen, um etwa sechs Uhr morgens Ortszeit, waren mit Joe Cada und Darvin Moon endlich nur noch zwei Spieler übrig. Der Final Table war aber nicht nur ein Pokermarathon, sondern er lieferte eine Reihe denkwürdiger Suckouts. Und auf diesem Gebiet entpuppten sich Moon und Cada als wahre Meister.

Moon warf erst Ivey und dann Begleiter aus dem Turnier. Beide Male sah es schlecht aus für Moon. In der Hand mit Ivey ging es um fast 14 Millionen Chips, Moon hielt , Ivey , es hätte die dringend benötigte Verdopplung für Ivey sein können. Nicht in dieser Nacht. Der Flop kam , Ivey biss in einen Apfel und versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Turn und River brachten keine Hilfe mehr. Gegen Begleiter ging es um einen Pott von über 40 Millionen Chips. Moon hatte AQ, Begleiter QQ, beide waren vor dem Flop All-In - auf dem River fällt das Ass und Begleiter kann sich verabschieden. Moon war an so mancher Stelle bereit, viel zu riskieren, und es waren nicht immer die besten. Einmal verdoppelte er Cada, als er vom Button mit K9 erhöhte, Cada im Blig Blind reraiste. Moon wollte sich nicht rumschubsen lassen und ging All-In, traf aber auf Asse.

Ivey fliegt raus und spielt weiter

Wer aber in Wirklichkeit sämtliche Pokergötter auf seiner Seite hatte, das war Joe Cada. Zweimal war er All-In mit einem kleineren Pocket Paar, jedesmal traf er sein Set. Die Hand gegen Saout gegen Ende war etwas grob. Cada eröffnet den Pot mit einem Raise auf 2.55 Millionen, Saout reraist vom Big Blind auf 7.3 Millionen und Cada lässt sich nach langem Überlegen zu einem 4bet-Shove verleiten. Saout bezahlte sofort mit Damen. Im Pot waren fast 80 Millionen, für Cada ging es um alles. Hinterher sagte Cada in einem Interview, dass du kleine Paare gegen Ende eines Turniers nicht einfach weglegen kannst. Saout hatte seine Gegner regelmäßig mit 3bets konfrontiert, und eigentlich hatte er Cada jetzt genau da, wo er ihn haben wollte.

Und was machte Ivey, nachdem er als Siebter rausgeflogen war? Ivey gab ein paar Interviews. Ivey, der die meiste Zeit short-stacked war und sich dennoch lange über Wasser hielt, sagte, er sei nicht zu enttäuscht, er habe "reasonably well" gespielt. Der viertplatzierte Eric Buchman hielt das später für untertrieben: "He played great, near perfect." Und Ivey wäre nicht Ivey, wenn er sich nach seinem Ausscheiden in eine dunkle Ecke verkrochen hätte. Nur eine Stunde später war er online und spielte im 7-Mix-Game mit Blinds von 2000/4000 gegen Gus Hansen und David Benyamine.

Cada und Moon spielen nun in der Nacht zum Dienstag einen Sieger aus. Cada gilt als Favorit, nicht nur weil er einen deutlichen Chiplead hat, sondern auch weil er der erfahrenere Heads-Up-Spieler ist. Nach seiner Erfahrung befragt, gab Darvin Moon zu Protokoll, da, wo er spiele, werde auf das Heads-Up verzichtet und das Preisgeld geteilt.

Bisherige Ergebnisse und Preisgelder:
1. ? - $8,547,042
2. ? - $5,182,928
3. Antoine Saout - $3,479,670
4. Eric Buchman - $2,502,890
5. Jeff Shulman - $1,953,452
6. Steven Begleiter - $1,587,160
7. Phil Ivey - $1,404,014
8. Kevin Schaffel - $1,300,231
9. James Akenhead - $1,263,602

Samstag, 7. November 2009

WSOP, Zoff um Internetwetten und ein Poker-Kleinkrimineller

Wer noch Lesestoff fürs Wochenende braucht, der kann es mit dem Media Guide zum Final Table der World Series of Poker versuchen. Für alle Freunde harter Fakten ist es ein wahres Fest. Wir erfahren zum Beispiel, dass Antoine Saout aus Saint Martin des Champs stammt und den Großteil des Main Event am gleichen Tisch mit Phil Ivey verbracht hat. Dass Darvin Moon auf dem Weg zum Finaltisch noch nicht ein einziges Mal alle seine Chips riskieren musste. Dass im Vergleich mit anderen großen Sportveranstaltungen die WSOP in Sachen Preisgeld auf den ersten Plätzen die U.S. Open im Golf und Tennis und auch die Rundstreckenrennen in Daytona und Indianapolis locker abhängt (siehe Grafik, zum Vergrößern klicken). Bluff verspricht übrigens eine Live-Audio-Übertragung vom WSOP-Finaltisch.

Was landete sonst noch in dieser Woche auf meinem Bildschirm?

Bwin trat wieder mal vergeblich vor Gericht auf, um sich gegen eine Anordnung der Bezirksregierung Düsseldorf zur Wehr zu setzen: "Unter Berufung auf den Glücksspielstaatsvertrag und Landesregelungen hatte die Bezirksregierung Düsseldorf am 30. Oktober 2008 angeordnet, dass Spielangebote der Seite www.bwin.com im Internet 'vom Gebiet des Landes NRW nicht mehr abrufbar sind' und dass die Veranstaltung von Glücksspielen 'bezogen auf NRW vollständig' eingestellt wird." Ein klein wenig irre, wenn ich mich nicht täusche. Die Geschichte ist nachzulesen bei heise.de.

* * *

In Gibraltar wird es eng. Ladbrokes kommt gerade mit seinem Betrieb in der Stadt mit 33.000 Einwohnern an. Davon arbeiten mehr als 3.000 in der Glücksspielindustrie, heißt es in einem PS-Blog. Bereits vor Ort seien folgende Unternehmen: PartyGaming, 888.com, bwin, Victor Chandler, William Hill und Betfred. Grund sind die niedrigen Steuern.

* * *

Platz ist noch im Grenzgebiet zwischen der Slowakei und Österreich. Dort will der amerikanische Glücksspielkonzern Harrah's laut Bericht des Handelsblatts ein "gewaltiges Vergnügungszentrum mit Casinos, Hotels und Thermalbädern aus dem Boden stampfen. Gigantisch ist auch der finanzielle Einsatz: 1,5 Mrd. sollen in den kommenden Jahren in der slowakischen Erde verbaut werden." Metropolis heißt das Vorhaben. Ganz in der Nähe werkelt auch die Konkurrenz an einem "Euro Vegas", allerdings auf ungarischem Boden.

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Dann wäre da noch die Geschichte eines Kleinkriminellen namens "Halroide". Er soll sich unter falschen Namen mehr als 300 Mal bei Pokeranbietern Bonusangebote und Freibeträge erschlichen haben.

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Außerdem dieser Bastard-Mix des allseits bekannten spielsüchtigen deutschen Jungen, der einen Oscar für seine schauspielerische Leistung verdient hätte, diesmal verkoppelt mit den schönsten Erfahrungen auf dem virtuellen Filz. Yeah, take it easy and good luck!

Freitag, 6. November 2009

High Stakes Poker: Lineup steht fest

Viele altbekannte und ein paar neue Gesichter: In der sechsten Staffel von High Stakes Poker treten Patrik Antonius, David Benyamine, Doyle Brunson, Tom Dwan, Eli Elezra, Antonio Esfandiari, Sammy George, Barry Greenstein, Phil Hellmuth, Andreas Hoivold, Phil Ivey, Mike Matusow, Allan Meltzer, Dennis Phillips, Lex Veldhuis und Yevgeniy Timoshenko auf. Daniel Negreanu steht bei manchen auch auf der Liste, während einige melden, dass Negreanu anderen Verpflichtungen nachkommen müsse. Die Staffel wird vom 11. bis 13. November im Golden Nugget in Las Vegas aufgezeichnet, die Ausstrahlung beginnt am 14. Februar 2010. Die Show wird produziert von dem in Las Vegas ansässigen Unternehmen POKER PROductions, das auch die NBC-Show "Poker After Dark" aufzeichnet.

Sponsor des sechsten Staffel ist PokerStars.com. Gerüchte im Vorfeld, dass der Einstieg von PokerStars dazu führen könnte, dass Pokergrößen konkurrierender Anbieter wie Full Tilt die Show meiden, waren also unbegründet. Auch Phil Ivey tritt auf, allerdings erst zum zweiten Mal. Bislang war Ivey nur in der 3. Ausgabe der GSN-Serie aufgetreten. Für den Fall, dass sich jemand nicht an den Bluff erinnert, den Brad Booth gegen Ivey spielte - "That cash just looks so sweet":



Das Minimum-Buy-In beträgt $200.000. Und wir können auch darauf gespannt sein, ob es Barry Greenstein gelingt, "Bing Blang Blaow" an passender Stelle unterzubringen. Greenstein hatte in früheren Folgen schon Phrasen wie "LOL donkaments" und "math is idiotic" untergebracht und konnte dadurch Geld für wohltätige Organisationen einsammeln. Spieler hatten in Pokerforen vorher die Phrase und den Einsatz verabredet.



Lies auch:
High Stakes Poker mit Tom Dwan
Staffel 5: Spieler von High Stakes Poker stehen fest

Donnerstag, 5. November 2009

Ivey schlief unter einem Holzsteg

Es gibt ein paar gute Anekdoten in einer ESPN E:60-Reportage über Phil Ivey. In den Zeiten, als er fast rund um die Uhr in Atlantic City spielte, verlor er viel und hatte keinen Platz zum Schlafen. "No home Jerome" schlief unter einem Holzsteg, mehrere Tage lang. Auch folgenden Satz hören wir und halten ihn für eine Lüge: "Wenn ich heute nicht gewinne, dann höre ich auf mit dem Spielen."



Via Pokerati

Lies auch:
Iveys WSOP-Trainingslager

Darvin Moon und die alte Schule

Phil Ivey und Darvin Moon teilten einen Moment des Glücks. Der Finaltisch stand fest, und sie waren dabei, bei den November Nine. Darvin Moon hatte soeben die Asse von Jordan Smith mit einem Set Achter geknackt. So kam es zu dieser Szene, in der Moon und Ivey sich gratulierten - zwei Spieler, die ungleicher kaum sein können.

Jordan Smith ging als unglücklicher Zehnter, ausgestattet mit einem Trostpreis von fast $900.000. Beschweren musste sich der Pro aus Texas nicht. Er hatte bereits eins dieser seltsamen Armbänder, nach denen alle lechzen - bis auf Jeff Shulman, der es in den Müll werfen will -, im $2.000 No Limit Holdem Event gewonnen.

Die letzten beiden ESPN-Folgen vom WSOP Main Event vor dem Finaltisch waren unterhaltsam. Am Dienstagabend wurden sie in den Staaten ausgestrahlt und gestern schon waren sie auf YouTube zu sehen - Episode 29 und Episode 30. Bei solchen Anlässen befällt einen manchmal tiefe Dankbarkeit über die Existenz des Internets und dass wir nicht auf Programmdirektoren deutscher Fernsehanstalten angewiesen sind. Es gab viele interessante Hände, darunter die große Hand, die Kopp gegen Moon verliert, als beide einen Flush floppen. Es gab zwei Situationen, in der Short-Stacks ihr "One time!" bemühten, weil sie gegen Asse All in waren, beide Male wurden sie erhört. Es muss an der Art und Weise liegen, wie um Beistand gebeten wird. Mir gelingt das eher selten, hier war es so, als würdest du einfach den Joker ziehen, und schon läuft die Chose. Akenhead traf mit Köing-Dame König und Dame auf dem Flop und verdoppelte gegen Jamie Robbins Asse. Dem gelang später das gleiche Kunststück mit einem Paar Zehner, die auf dem River zu einem Set wurden. Was aber den Verlust zuvor nicht aufwiegen konnte. That's poker, was willst du machen.

Dann war da die Hand, in der es eine Schlacht hätte geben können, doch sie verlief relativ harmlos. Ian Tavelli erhöht aus früher Position mit einem Paar Neuner auf 450.000, Begleiter, der gleich neben ihm sitzt, reraist auf 1.35 Millionen mit Königen. Tavelli hat etwa 7.7 Millionen Chips, Begleiter so um die 20 Millionen. Akenhead ist an der Reihe, und der findet , doch das ist ihm nicht mal einen Call wert; danach sieht sich Eric Buchman seine Hole Cards an, Pocket Tens, er passt; noch einen Platz weiter sitzt Joe Cada mit Jungen, doch auch die wandern in den Muck. Nur Tavelli bezahlt, als er wieder an der Reihe ist. Der Flop kommt , Tavelli checkt, Begleiter spielt deutlich an - 3.5 Millionen, doch Tavelli kann sich nicht von seiner Hand lösen, geht oben drüber und bekommt den Insta-Call. Hätte er doch auf die anderen gehört. Hilfe blieb aus, und er war raus.

In einem kurzen Einspieler erzählte Darvin Moon von seinem Vater. Wie Moon ist er im Holzgeschäft tätig, in einem Sägewerk, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Sein Vater sei ein Mann alter Schule. Als er gehört habe, dass sein Sohn einen Platz für die World Series of Poker gewonnen habe, riet er ihm die 10 Riesen lieber gleich einzusacken. Was man hat, das hat man. Doch Darvin beharrte, es gehe hier um den Traum eines jeden Kartenspielers. Und jetzt ist er, ein Amateur, ein Holzfäller, Chipleader am Final Table der WSOP 2009. Was sagst du dazu? Wer hat das Drehbuch geschrieben? Und Darvin selbst? Alte Schule! Der Mann besitzt nicht mal einen Computer.












Mittwoch, 4. November 2009

Poker King - China vor dem Rounders-Effekt

"Er schaut sich Rounders einmal pro Woche an." Das sagte ESPN-Kommentator Norman Chad über einen der Spieler an Tag 8 des WSOP Main Events. Leider erinnere ich mich nicht mehr, welcher Spieler es war, aber vielleicht ist es auch nicht wichtig. Ziehen wir ein wenig ab - a) von der Begeisterung dieses Spielers für ein fraglos interessantes Produkt der Kulturindustrie und b) für den zu Übertreibung neigenden Norman Chad -, sagen wir, er schaut sich den Film alle zwei Wochen an, das wären immer noch stolze 26 Mal im Jahr. Bei einer Laufzeit von 116 Minuten sind das 3016 Minuten oder etwa 50 Stunden. Im Jahr verbringt dieser Mann also etwas mehr als zwei Tage mit Rounders. Mal im Ernst, einfach nur zuschauen scheint da kaum noch möglich. Es muss eher eine Inszenierung wie bei den Fans der Rocky Horror Picture Show sein. Er lädt Freunde ein, spielt Szenen mit, spricht Texte nach und hat immer Chips zur Hand, um sie in der berühmten finalen Hand wie der unvergleichliche John Malkovich in die Mitte des Pots zu werfen - im Gefühl des sicheren Sieges, kurz bevor er die Fassung verliert: "Nyet! Nyet! No More! No! Not tonight. This son of bitch, all night he, 'Check. Check. Check.' He trap me!" Wobei dieser Ausruf des Entsetzens auch dafür stehen könnte, dass unser Zuschauer langsam die Nase voll hat von diesem Streifen.



Auch wenn ich den Film nur zweimal gesehen habe, Rounders ist zweifellos Kult. Er ist großartig besetzt mit Edward Norton, Matt Damon, John Turturro und John Malkovich, die Story ist gut, die Inszenierung überwiegend glaubhaft und dramatisch wie ein guter Sportfilm. Unbestritten ist, dass Rounders das Interesse am Pokerspiel weckte, lange bevor Chris Moneymaker und das Internet den weltweiten Pokerboom auslösten. Pokerpro Gavin Griffin glaubt, dass die realistische Darstellung von Rounders die große Wirkung ausgemacht habe. Der Film zeige eben auch die Schattenseiten.

Rounders 2 soll inzwischen in Vorbereitung sein, sogar ein vages Erscheinungsdatum ist in Umlauf, 2012, und es gibt Gerüchte, dass Leonardo DiCaprio mitwirkt. Wetten würde ich darauf nicht.

Natürlich liegt die Messlatte hoch. Das gilt für alle Pokerfilme, die in der Zeit nach Rounders, also nach 1998, erschienen sind. Keiner konnte bislang Rounders das Wasser reichen. Und das ist wahrscheinlich auch nicht von Poker King zu erwarten, der vor knapp zwei Wochen Premiere feierte. Der Film erzählt die Geschichte vom Kampf um ein Kasino im Las Vegas des Orient, in Macau. Der Eigentümer verstarb. Uno Check soll sich das Erbe erschlichen haben. Um sich von den Vorwürfen reinzuwaschen, holt Check den rechtmäßgigen Nachkommen nach Maucau. Das ist Jack Chang, und der lebte bisher in Kanada als Online-Pokerpro ("played on multiple monitors, with his room cluttered with pizza boxes"). Sie kämpfen ums Erbe, es soll darum gepokert werden, und zwar bei einer Weltmeisterschaft am Finaltisch. Das klingt nach Drama, zu meiner Überraschung aber führt die Internet Movie Database den Film im Genre Komödie. Die Zeitung Malay Mail Online schreibt, der Film folge dem Vorbild einer typischen Hongkong-Komödie.

Pokerlegende Johnny Chan hat in Pokerfragen mit Rat zur Seite gestanden. Chan glaubt, dass der Film das Zeug hat, einen Pokerboom in China auszulösen. Vielleicht gelingt das, auch wenn der Film möglicherweise nicht so gut ist wie Rounders. Laut einem Bericht von Newsweek ist die Neigung der Chinesen zum Glücksspiel trotz staatlichen Verbots seit 1949 ungebrochen. Ein Wissenschaftler der Pekinger Universität schätzt, dass im letzten Jahr etwa 146 Milliarden Dollar bei illegalem Glücksspiel umgesetzt wurden.



Texas Hold'em für Mac-Fans? Kein Problem, einfach Poker für Mac herunterladen

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Poker in Asien

Dienstag, 3. November 2009

Southpark: Cartman singt Pokerface

Cartman in gewohnt gleichgültiger Verfassung nach einem kurzen gesellschaftschaftskritischen Exkurs von Stan über japanische Delfinkiller: "Go and hug a tree."



Via Bill's Poker Blog

Montag, 2. November 2009

Ivey über seinen WSOP-Patzer

Im Main Event der WSOP 2009 hatte Phil Ivey beim Showdown die bessere Hand gemuckt, weil er glaubte, geschlagen zu sein. Wer sich an den Verlauf nicht mehr erinnert, findet sie in diesem Post. Wie bereits vermutet, hat Ivey von seinem Fehler tatsächlich erst im Nachhinein durch die Fernsehausstrahlung erfahren. Das berichtet Barry Greenstein, der mit Ivey telefoniert hat (via Hard-Boiled Poker).

Greenstein erklärte sich den Patzer Iveys damit, dass Ivey das Ass auf dem River nicht gefallen habe; oder dass er es fürchtete, weil Ax eine der möglichen Hände gewesen sein könnte, mit der ihn sein Gegner vor dem Flop geraist haben könnte. Und darüber wäre ihm entgegangen, dass er das Pik-Ass auf dem River seinen Flush komplettierte. Doch Ivey sagte, er sei ganz mit der Frage beschäftigt gewesen, womit sein Gegner ihn vor dem Flop geraist habe. Als der ihm zeigte, gab er die bessere Hand auf. Und schüttelte kurz darauf den Kopf. Es wurde schon vermutet, dass Ivey in diesem Moment seinen Fehler realisierte. Laut Ivey aber tat er mit dem Kopfschütteln und seinem typischen Augenrollen nur Unverständnis darüber kund, dass ihn sein Gegner mit dieser Hand ohne Position reraist. Dabei vergaß er, sich die Tischkarten noch einmal genau anzusehen. Dass Ivey dieser Fehler unterlief und er die bessere Hand passte, wollte oder konnte er sich nicht vorstellen. Es musste also eine andere Erklärung dafür geben. Er fragte Greenstein, ob er es für möglich halte, dass das Bildmaterial im Nachhinein bearbeitet worden sei. Greenstein hielt das für eher unwahrscheinlich, auch wenn es technisch möglich sei.

Lies auch:
Iveys Aussetzer bei der WSOP 2009

Samstag, 31. Oktober 2009

Glück oder Freiheit, ein kleiner Ferrari und dein Lieblingshobby

Was gab es in dieser Woche auf meinem Bildschirm zu sehen und zu lesen?

John Juanda hat einen guten Witz gerissen. Nachdem Tom Dwan aka durrrr ein weiteres Match in seiner Challenge gegen Antonius gespielt hatte, saß er mit Ziigmund und John Juanda an einem 7-Game-Mix-Tisch. Beide wollten von durrrr wissen, wie es gelaufen sei. Daraus wurde die folgende kurze Konversation(via Hard-Boiled Poker):

Ziigmund: durrrrr
durrrr: wtsup?
Ziigmund: who won in challenge?
durrrr: i won small
durrrr: 150 mayb
John Juanda: yeah u won small ferrari

* * *
Die Diskussion, ob Poker ein Glücksspiel oder ein Geschicklichkeitsspiel ist, wird schon lange geführt. Bislang galt vor deutschen Gerichten meist die Einschätzung, dass Poker ein Glücksspiel sei - mag sie auch noch so verstaubt sein, denn diese Einschätzung geht zurück auf eine Einscheidung aus dem Jahre 1906. Fast jeder, der sich etwas länger mit Poker beschäftigt hat, weiß, dass Geschicklichkeit und Erfahrung eine große Rolle spielen. Aber darum soll es gar nicht gehen. Denn dass deine Entscheidung zu spielen, vor allem eine Entscheidung ist, die deiner persönlichen Freiheit überlassen sein sollte, darauf weißt ein Pokernews-Artikel hin. Es geht um zwei Gesetzesvorschläge, die in den Vereinigten Staaten diskutiert werden und das Online-Spiel regulieren möchten, darunter der Vorschlag des Kongressabgeordneten Barney Frank. Und dem ist es egal, ob Poker ein Glücksspiel ist, er macht keinen Unterschied zu anderen Casino-Spielen. Er legt nur Wert darauf, dass die Entscheidung, ob jemand spielt oder nicht, eine Frage individueller Freiheit ist. Und solange dein Spiel keine Dritten gefährdet, liegt er aus meiner Sicht richtig.

* * *

Das Finale des WSOP Main Events 2009 rückt näher. In dieser Woche habe ich mir viele der ESPN-Folgen des Main Events angesehen und bin bis Tag 8 gekommen, als noch 27 Spieler im Rennen waren. Darunter natürlich Darvin Moon, der gegenwärtig Chipleader der November Nine ist. Keine Frage, es lief gut für Darvin, aber der Amateur blieb die meiste Zeit überraschend cool und war auch durch kleine Frotzeleien seiner Mitspieler nicht aus der Ruhe zu bringen. Die folgende Hand ist großartig, Francois Balmigere floppt ein Set, Moon eine Straße, Broadway. Moon bezahlt die Contibet von Balmigere. Der Turn blankt, und als Balmigere weiter feuert, kommt ein Minimum-Raise von Moon, das Balmigere bezahlt. Im Pot sind jetzt über sechs Millionen. Und das steigt dem Amateur dann doch zu Kopf. Bevor die letzte Karte gegeben wird, siehst du, wie er die Hände nervös über sein T-Shirt streift, zweifellos vor Aufregung. Denn womit kann Balmigere das Raise von Moon bezahlt haben? Was wird Moon gedacht, gefleht haben? Do not pair that board!




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Eine andere WSOP-Hand zeigt den großen Unterschied zwischen live und online. Live kannst du deinen Gegner immer mal interviewen, um herauszubekommen, ob deine Hand gut sein könnte. So macht es in dem folgenden Clip Prahlad Friedman. "Practicing your favourite hobby?" fragt Friedman seinen Gegner Swidler. Von dem scheint Friedman zu wissen, dass er online zum Tilten neigt. Aber hier setzt Friedman alle Informationen richtig zusammen, ab 01:30:




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Noch mehr Lieblingshobbys gewünscht? Eines heißt abgekürzt: DHOT = donkey hunting on tilt. Auch das kann kostspielig sein, aber welches Lieblingshobby ist schon umsonst?

Wie funktioniert DOHT? Ein Superdonk macht den dämlichsten Call in der Geschichte des Online-Poker und natürlich trifft er seinen 2-Outer. Vor deinem inneren Auge tauchen vier nicht ganz unbekannte Buchstaben auf, in ROT, sie blinken - warum zum Teufel blinken die? Unser Lieblingshobby wäre nicht DHOT, wären wir nicht in der Lage solche gut gemeinten Warnzeichen zu ignorieren. Uns verlangt nach Rache, unmittelbar: "Justice. Redemption. Now. I'm not going to fuckin' wait. I won't be happy until there's bloodshed. A good old-fashioned lynching. Hang 'em high. Fry their testicles with car batteries." Dabei läuft auf K-Billy's Super Sounds of the 70s Gerry Rafferty:

Clowns to the left of me, jokers to the right
Here I am, stuck in the middle with you


Read all about DHOT at Tao of Poker. And have a good one.